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#Neuigkeiten 22. März 2021

Ist das schon Industrie 4.0?

Seit einiger Zeit nennt unser Ausbildungszentrum einen 3D-Drucker sein Eigen. Welcher Gedanke hinter dieser Anschaffung steckt, wie der Drucker aktuell genutzt wird und welche Rolle er künftig in der Berufsausbildung innerhalb der Unternehmensgruppe SPITZKE spielen soll, darüber haben wir mit Matthias Rösener, Leiter des Ausbildungszentrums in Großbeeren, und Ausbilder Alexander Heß gesprochen.

Die Überlegung, einen 3D- Drucker anzuschaffen, ist nicht neu. Was gab letztlich den Ausschlag für die Investition?
Matthias: Ich sehe da zwei ganz zentrale Punkte. Zum einen gibt uns die IHK-Ausbildungsrichtlinie eine klare Richtung vor, indem sie 3D-Druck als Zusatzqualifikation in den Ausbildungsrahmenplan für Mechatroniker aufgenommen hat. Das ist ein klares Zeichen für uns, diese Zusatzqualifikation schon jetzt um eine digitale Komponente zu erweitern. Zum anderen schaffen wir mit diesem einen Mehrwert für die gesamte Unternehmensgruppe.

Wie meinst Du das?
Matthias: Gerade im Bereich der Berufsausbildung können und sollten wir innovativ sein, denn insbesondere während dieser Zeit bereiten wir junge Menschen auf die Industrie von morgen vor. Daher arbeiten wir nicht nur bei diesem Thema eng mit dem internen Innovationsmanagement zusammen.

Was den 3D-Druck angeht, gibt es bereits Ideen, wie wir diesen ganz konkret und in nicht allzu ferner Zukunft einsetzen könnten. Denkbar ist der Einsatz beispielsweise, wenn Teile in Fahrzeugen kaputt gehen, die nicht so einfach ersetzt werden können. In diesem Fall könnte per 3D-Druck ein Bauteil unter Umständen selbst hergestellt werden.

Vor einiger Zeit hat das Ausbildungszentrum eine Hygienetrennwand für den Schutz vor Covid-19 entwickelt. Wie kommt hier der 3D-Drucker zum Einsatz?
Alex: Wir haben festgestellt, dass wir mit der konventionellen Herstellung der Tischhalterung aus Metall für die Trennwand einfach nicht schnell genug auf Anfragen reagieren konnten, da die Produktion sehr zeitaufwendig ist. Deshalb haben wir im Team nach einer Alternative gesucht.

Mit dem Drucker, einem Einsteigermodell (Prototyp), können wir die benötigten Teile nun deutlich rascher aus einem anderen Material (Kunststoff) passgenau fertigen. Derzeit sind wir in der Lage, vier Halter einschließlich Gewinde in ca. zwölf Stunden zu drucken. Hinzu kommt eine Einrichtezeit von gerade einmal zehn Minuten.

Kannst Du uns hier noch etwas mehr erzählen?
Alex: Im Grunde kann alles, was wir im 3D-Druck herstellen, auch konventionell oder mittels CNC-Fräsverfahren hergestellt werden. Dennoch haben diese Verfahren gewisse Grenzen, die im 3D-Druck überwunden werden können. Die Bearbeitungszeit zum Einrichten der Werkzeuge und Maschinen beträgt pro Arbeitsschritt schon ungefähr zehn Minuten. Ein 3D-Drucker wird in derselben Zeit lediglich einmal für den gesamten Produktionsprozess eingerichtet.

Interessanterweise ist die Vorarbeit bis zu einem gewissen Grad dieselbe. Es beginnt klassisch mit einer Idee. Aus dieser werden Skizzen und daraus wieder technische Zeichnungen, die ich am PC erstelle. Derzeit benutze ich dafür Fusion 360.

Was sind jetzt die nächsten Schritte?
Matthias: In der Ausbildungsplanung haben wir das Thema neu aufgerollt. Wir fangen mit der technischen Zeichnung am Zeichenbrett an und enden beim Einrichten des 3D-Druckers. Dies erfolgt berufsübergreifend für Elektro- sowie Metallberufe.

Aktuell sind wir in der Entwicklungsphase. Daher ist einiges noch nicht ganz stimmig. So entspricht bspw. die vorhandene Hardware noch nicht der Softwareanforderung für 3D-Modelle, auch fehlt es derzeit noch an genügend 3D-Druckern.

Alex: Aber die ersten Schritte sind gemacht, die uns unserem langfristigen Ziel, additive Fertigungsverfahren berufsübergreifend der gesamten Unternehmensgruppe SPITZKE anzubieten, näherbringen. Dafür reichen dann aber Kunststoffdrucker irgendwann nicht mehr aus. Gute Ersatzteilmuster für Gleisbaumaschinen können nur mittels Verfahren erstellt werden, die die Verarbeitung anderer Werkstoffe wie Metall erlauben.

Was müsste passieren, um wirklich von einer Industrie 4.0 zu sprechen?
Matthias: Mit der Nutzung von 3D-Druckern ist es auf jeden Fall nicht getan. Um von Industrie 4.0 zu sprechen, müssen alle Prozesse miteinander vernetzt sein. Packen wir es an!